Founders & Faces #4: Liapure

In unserer Rubrik Founders & Faces stellen wir Dir jeden Monat inspirierende Gründer*innen und Gesichter aus Fashion, Beauty und Lifestyle vor. Dieses Mal haben wir mit Leonie Appels, Gründerin des nachhaltigen Münchner Modelabels Liapure und ehemalige ZOÉ LU Mitarbeiterin, über das besondere Konzept hinter ihrer Marke sowie ihren Gründeralltag gesprochen. 

Larissa und Leonie

Wer und was verbirgt sich hinter Deiner Marke?  

Ich bin Leonie Isabel Appels, Modedesignerin aus Leidenschaft und habe knapp 5 Jahre in der Branche gearbeitet, bevor ich mich 2019 mit meinem eigenen Label Liapure selbstständig gemacht habe. Ich habe mich immer gefragt, wieso wir am wenigsten in die Teile investieren, die wir am häufigsten tragen. Es würde doch viel mehr Sinn machen in ein weißes Shirt zu investieren, was man jeden Tag an hat anstatt in das Silvesterkleid, was nur einmal im Jahr aus dem Schrank kommt. Daher fokussiere ich mich mit Liapure auf Essentials, die den perfekten Schnitt und eine besondere Qualität mit lokaler Produktion vereinen, denn „With comfort comes confidence“ 😉 Mein Label besteht aus zwei Unterkollektionen, Liapure und Liapure Atelier. Die Liapure Line liefert everday Basics, die nicht nur zeitlos sind, sondern auch zu allem passen und ideal untereinander kombinierbar sind, da sie farblich aufeinander abgestimmt sind. Diese transseasonalen Klassiker können dann durch unsere handgefertigten Signature Pieces aus der Atelier Kollektion ergänzt werden.

Du bist bei ZOÉ LU ja auch keine Unbekannte. Was hast Du vor Deiner Unternehmensgründung beruflich gemacht und wie bist Du dazu gekommen Dein Unternehmen zu gründen? 

Ja das stimmt, bei ZOÉ LU war ich die erste Angestellte und es hat super viel Spaß gemacht 😉 Für mich stand aber eigentlich schon seit meinem Designstudium fest, dass ich gerne mein eigenes Label starten würde, weshalb es mir wichtig war vor der Gründung so viele relevante Steps in einem Unternehmen durchlaufen zu haben wie möglich, um auch neben dem Design, Expertise in anderen Bereichen zu sammeln. Daher war ich u.a. als Stylistin bei Mytheresa, im Design bei Stone Island und im Verkauf bei Lodenfrey tätig. Diese Jobs haben mich alle in gewisser Weise auf meine Gründung vorbereitet, allerdings wollte ich noch mein Wissen in den betriebswirtschaftlichen Funktionen ausbauen, um wirklich zu verstehen, wie ich eine Marke aufbauen kann, weshalb ich ein Business Management Masterstudium an der Bocconi angehangen habe. Als letzten Schritt, bevor ich Liapure gegründet habe, wollte ich dann gerne noch zu einem Start-Up, um zu sehen was bei der Selbstständigkeit wirklich auf mich zu kommt. Meine Freundin, ein ZOÉ LU Fan der ersten Stunde, hatte mir die Stellenausschreibung als Design und Creative Assistant geschickt und so bin ich ZOÉ LU gekommen. Hier durfte ich praktisch alle Bereiche eines Unternehmens kennenlernen und habe wirklich viel Wissen mitgenommen. Nach einer Weile hatte ich aber das Gefühl, dass ich jetzt einfach selbst starten muss und die Zeit reif ist. So habe ich dann allen Mut zusammengefasst, mein Gewerbe angemeldet und mich an die Arbeit gemacht meinen Traum mit Liapure in die Tat umzusetzen.

Hattest Du schon immer den Wunsch ein eigenes Label zu gründen? 

Ja, es war eigentlich immer mein großer Traum eine eigene Marke zu gründen. Schon in meiner Kindheit habe ich mich gerne kreativ ausgelebt aber besonders im Modestudium ist der Wunsch nach einem eigenen Label dann verstärkt worden. Denn während meines Studiums wurde mir klar, dass Design genau das ist was ich liebe und was ich tagtäglich machen möchte. Hierbei habe ich mich wirklich wohlgefühlt und war zum ersten Mal so richtig stolz auf mich und meine Arbeit, weshalb ich das Design zu meinem Beruf machen wollte. Ich habe aber auch immer wieder miterlebt, dass die Modebranche eine ziemliche Ellbogengesellschaft ist. Da hat mir das Miteinander und das Bewusstsein für andere aber besonders die Umwelt gefehlt, was mich darin bestärkt hat selbst zu gründen, um es anders und auch besser zu machen. Mode ist so etwas Schönes, hat aber leider durch den Massenkonsum Ihren Wert verloren. Ich möchte das ändern, indem ich ohne schlechtes Gewissen, durch eine umweltgerechte lokale Produktion in Verbindung mit zeitlosen Essentials, die tagtäglich im Einsatz sind und vor allem langlebig sind, den Kleidungsstücken wieder einen Wert gebe.

Wofür stehst Du mit Liapure?  

Unsere Essential Kollektion steht für lokale Produktion, Nachhaltigkeit, durchdachte Passform, Komfort, Zeitlosigkeit sowie monochrome und saisonunabhängige Styles. Ergänzend zu unserer Essentials Line steht unsere Atelier Kollektion für handmade in Bavaria, limitierte Styles, inspiriert von der Natur und drapiert aus natürlichen Materialien.

Liapure Pieces

Welche Vision und Mission steckt hinter Deinem Label?

Ich möchte mit Liapure nachhaltige Lieblingsstücke für die Ewigkeit kreieren und der Mode somit wieder einen Wert geben. Mit der Aufklärung über Produktion, Materialien und Schnitte, die wir im Atelier und auch online versuchen zu leisten, lernen die Kund*innen ihre Liapure Teile ganz anders wertzuschätzen. Unsere Mission ist es mit unseren Kund*innen einen Grundstock an Basics aufzubauen, der untereinander kombinierbar und mit Atelier Pieces erweiterbar ist, in dem sie sich jeden Tag wohl und empowered fühlen. Keine Liapure Kundin soll morgens vor ihrem Kleiderschrank stehen und nicht wissen was sie anziehen möchte, weil nichts dabei ist, dass Komfort, Qualität, Praktikabilität und Design vereint. 

Wie hast Du Dein Markenkonzept entwickelt? Wolltest Du immer ein nachhaltiges und minimalistisches Konzept umsetzen? 

Ich habe schon immer einen eher minimalistischen und zurückhaltenden Stil in Kombination mit besonderen Akzent-Pieces geliebt. Dieser Stilbruch macht es für mich aus. Die Idee aber selbst ein nachhaltiges Label zu gründen, kam bei mir in meinem Businessstudium auf. Ich habe damals den Film „The true cost“ gesehen, was einiges in mir ausgelöst hat und mich dazu gebracht hat mich intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen. Danach konnte ich nicht mehr guten Gewissens in einen Fast Fashion Shop gehen und wollte auch nicht für Unternehmen arbeiten, die zum einen großen Teil zur Klimakrise beitragen. Ich dachte mir, dass ich das besser und nachhaltiger als andere Labels umsetzen kann. Gerade im Basics-Bereich gibt es oft nur sehr günstige oder sehr teure Optionen, aber das Mittelding fehlte. Ein langlebiges Essential mit einer ausgeklügelten Passform aus einer nachhaltigen Produktion zu einem fairen Preis gab es meiner Meinung noch nicht, weshalb ich genau diese Marktlücke mit Liapure nutzen wollte.

Wie spiegelt sich dieses nachhaltige Konzept in Deinem daily business wieder? Worauf achtest Du da besonders?

Ich arbeite nur mit kleinen Manufakturen in Deutschland und achte bei allen Prozessschritten auf kurze Transportwege. Außerdem produziere ich immer nur in sehr kleinen Mengen, um unnötige Ressourcenverschwendung zu vermeiden und der tatsächlichen Nachfrage gerecht zu werden. Bei meinen Business Partnern achte ich stets darauf, dass diese ebenfalls Wert auf Nachhaltigkeit legen. Das kann z.B. sein, indem die Produkte wahnsinnig langlebig sind oder durch eine nachhaltige Produktionsweise. Fast Fashion ist für mich ein No-Go, in diesem Bereich würde ich mit niemandem kooperieren egal wie groß der Konzern oder wie gut das Angebot 😉

Liapure Pieces

Wie bist Du auf den Namen Deines Labels gekommen und hat dieser eine besondere Bedeutung? 

LIA steht für meine Initialen von Leonie Isabel Appels und pure repräsentiert die Kernessenz meiner Marke, meines Konzepts und der Produkte. Pure steht in diesem Sinne sowohl für die Auswahl meiner Materialien als auch gleichzeitig für den Look & Feel meiner Kollektion. Zudem funktioniert Liapure in vielen Sprachen und ist einprägsam. 

Woher nimmst Du Deine Inspiration? Sowohl für neue Produkte als auch für die Big Vision? 

Ich bin ein sehr visueller Mensch und sauge ganz viele Informationen im Alltag auf. Auf der Straße auf dem Weg ins Atelier, beim Spaziergang mit meinem Hund oder auf Social Media, die Inspiration ist eigentlich überall. Besonders aber in der Natur. Viele meiner Teile bestehen nicht nur aus natürlichen Materialien, sondern sind auch in Ihrer Formsprache dadurch inspiriert wie z.B. meine Rückenfreie Bluse mit Blumengeformtem Kragen, Rückenausschnitt und Manschetten, sowie Bestickungen in Blütenform. Ich habe einfach angefangen verschiedene Materialien an der Puppe zu drapieren und den Entwurf dann immer weiterentwickelt, bis ich am Ende mit dem Design wirklich zufrieden war. Das ist das Großartige am Designprozess – du weißt am Anfang nicht, wo Du am Ende landest. 

Was macht Dir in Deinem daily business am meisten Spaß?

Als leidenschaftliche Designerin schlägt mein Herz natürlich am meisten für alle Aspekte rund um das Kollektionsdesign vom Entwerfen neuer Artikel über die einzelnen Korrekturschleifen hin bis zum fertigen Produkt, das tatsächlich in den Shop kommt. Dieser Prozess macht Riesenspaß (kommt aber leider im Gründeralltag teilweise etwas kurz...). Auch sehr viel Spaß machen die Kundentermine. Es ist einfach super schön die Kundinnen kennenlernen zu können und mit ihnen gemeinsam das perfekte Lieblingsteil zu finden. Es ist toll, die Kundinnen so persönlich „abholen“ zu können und unser Konzept erlebbar zu machen. Im Store sind sie direkt von den hochwertigen Stoffen oder den Schnittmustern, die für die perfekte Passform verantwortlich sind, umgeben und bekommen somit nochmal den wahren Wert eines jeden Liapure Produkts vermittelt. Außerdem kann ich als Designerin auch super viel daraus lernen und meine Schnitte immer weiterentwickeln. Super spannend ist es aber natürlich auch neue Gründer*innen kennenzulernen mit denen man ansonsten vermutlich nie zusammengekommen wäre. Der Austausch ist extrem wichtig und gibt einem sehr viel – der gegenseitige Support ist etwas Wunderbares!

Liapure Atelier

Was war Deine größte Herausforderung bisher? 

Ich denke vor der stehe ich gerade noch. Als Unternehmerin ist es nicht immer leicht den Hut in allen Bereichen aufzuhaben und zwischen zig verschiedenen Positionen hin und her zu springen. Da allem gerecht zu werden, ist für mich derzeit sicher die größte Herausforderung.

Was sind die wichtigsten Learnings, die Du bisher sammeln konntest? 

Mein wichtigstes Learning ist vermutlich, dass man nicht gleich jede Idee umsetzen sollte und die Entscheidung welche Ideen man umsetzt am besten auch nicht komplett allein fällt. Kurz gesagt den Enthusiasmus ab und zu mal etwas einbremsen lernen 😉 Denn manchmal hilft es eine ausstehende Meinung dazu zu hören, damit man alle Aspekte bedenkt und sich nicht nur der Fantasievorstellung hingibt. Ich habe außerdem in meiner Selbstständigkeit sehr viel über mich selbst gelernt z.B. auch freundlich, aber bestimmt aufzutreten. Gerade im Business Setting musste ich die Erfahrung machen, dass man nicht immer ernst genommen wird und dann ist es wichtig zwar freundlich und kooperativ zu bleiben aber auch bestimmt für sich selbst und seine Sache einzustehen. Zudem habe ich festgestellt, dass man auf sein Bauchgefühl vertrauen sollte und die erste Intuition dann doch oft die Richtige ist. 

Was ist Dein Must-Have in der Handtasche ohne das Du nicht das Haus verlassen kannst? 

Definitiv mein Handy, ohne das verlasse ich wirklich nie das Haus. Genauso wie meine Portemonnaie und meinen Atelier Schlüssel, beides habe ich auch immer dabei. 

 

Weitere Infos über Leonie und Liapure findest Du hier

P.S.: Wir haben gemeinsam mit Liapure eine sehr besonderes Highlight für Dich und verlosen noch bis Sonntag zwei ZOÉ LU x Liapure Looks auf unserem Instagram Profil sowie auf dem Liapure Instagram Account.